· Strategie & Geschäftsmodell
Das KMU-Barometer fällt 2026 auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung. US-Zollstreit, Energiepreise, EU-Paket im Parlament: drei externe Schocks in drei Richtungen. Die schlechte Nachricht ist nicht der Schock. Sie ist, was er sichtbar macht.
Das NZZ-KMU-Barometer 2026 zeigt für Schweizer KMU den pessimistischsten Befund seit Beginn der Erhebung. Gleichzeitig bleibt die operative Leistung weitgehend stabil. Die Diagnose der Studie ist präzise: operativ resilient, strategisch unter Druck. Das sind keine zwei Befunde. Es ist einer.
Wer 30 Jahre Tagesgeschäft optimiert hat, hat 30 Jahre Tagesgeschäft optimiert. Wer 30 Jahre Strategie aufgeschoben hat, hat 30 Jahre Strategie aufgeschoben. Beides zahlt im selben Quartal seine Rechnung.
Externe Schocks sind 2026 leicht zu benennen. US-Zollstreit, Energiepreise nach dem Konflikt im Nahen Osten, ein EU-Paket, das im Parlament hängt und politisch nicht entschieden ist. Drei Schocks in drei verschiedene Richtungen, oft im gleichen Unternehmen gleichzeitig.
Der Reflex in vielen Geschäftsleitungen lautet: Operations verstärken, Kosten kontrollieren, Pilotprojekte starten. Das ist nicht falsch. Es ist nur nicht die eigentliche Aufgabe.
«Operativ resilient, strategisch unter Druck» ist nicht Lob mit Aber. Es ist die Diagnose.
Operations löst die Frage, wie etwas läuft. Strategie löst die Frage, was man im nächsten Zyklus überhaupt noch tun sollte. Das sind zwei verschiedene Muskeln, mit zwei verschiedenen Trainingszeiten.
Schweizer KMU hatten Jahrzehnte, in denen «wie» wichtiger war als «was». Effizienz, Qualität, Lieferfähigkeit, schweizerische Verlässlichkeit. Das hat im Aufwind funktioniert. Im Gegenwind macht es sichtbar, wo nie eine zweite Frage gestellt wurde:
Wenn diese Fragen erst durch externe Schocks gestellt werden, sind sie nicht zu früh, sondern zu spät gestellt.
Operations lässt sich kurzfristig aufrüsten. Ein neues Tool, eine neue Schicht, eine neue Routine. Wirkung ist binnen Wochen messbar. Strategie funktioniert anders. Wer jetzt Strategie nachholt, baut keine Folie. Er baut einen Muskel, der lange nicht trainiert wurde – und dieser Muskel ist im Quartal nicht aufgebaut, sondern im Jahr.
Das ist auch der Grund, warum strategische Lücken oft erst in Krisen sichtbar werden. In guten Jahren reicht es, operativ ordentlich zu sein. In schwierigen Jahren wird Strategie zur Voraussetzung dafür, dass operative Stärke überhaupt noch wirkt.
Operations löst diesen Monat. Strategie entscheidet, ob es Sie nächstes Jahr noch gibt.
Wer 2024 strategische Entscheide vertagt hat, hat sie nicht vermieden. Er hat sie nur teurer gemacht. Die Frage in den nächsten zwölf Monaten ist deshalb selten: Welches Tool, welches Programm, welche Effizienzrunde noch?
Die Frage ist eher: Welches Geschäftsmodell tragen wir 2028 noch – und welches nicht mehr? Welcher Markt verdient mehr Aufmerksamkeit als heute? Welcher weniger? Wo investieren wir in eigene Sichtbarkeit, wo in Partner, wo in Aufbau eines zweiten Standbeins?
Drei Beobachtungen aus der Praxis:
Strategie ist kein Krisenwerkzeug. Sie ist das, was man baut, wenn man keine Krise hat – damit man nicht in eine läuft.
Die bessere Frage 2026 lautet deshalb nicht: «Wie kommen wir durch dieses Jahr?» Sondern: Welchen strategischen Entscheid haben wir 2024 vertagt – und welchen Preis zahlen wir heute dafür?
Wenn ein Signal für Ihr Vorhaben relevant ist, sprechen wir besser direkt darüber.